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Alien: Romulus (2024) – Zurueck zu den Wurzeln des Weltraum-Horrors

28. Februar 2026 10 Min. Lesezeit Redaktion

Was macht Alien: Romulus (2024) anders als die anderen Alien-Filme?

Fede Alvarez hat verstanden, was die Alien-Reihe im Kern ausmacht: enge Räume, dreckige Arbeiter und ein Organismus, der dich nicht hasst – er braucht dich einfach. Keine philosophischen Monologe über Schöpfung wie bei Ridley Scotts Prequels. Keine überdrehte Militär-Action wie bei den späteren Sequels. Romulus geht zurück auf Anfang. Und das tut verdammt gut.

Der Film spielt im Jahr 2142 – also chronologisch zwischen Ridley Scotts Alien (2122) und James Camerons Aliens (2179). Eine Lücke, die vorher niemand gefüllt hat. Alvarez, bekannt durch sein Evil Dead-Remake von 2013, bringt genau die richtige Mischung aus Respekt und eigener Handschrift mit. Der Typ kann Horror. Das hat er bewiesen. Und hier beweist er es nochmal.

Mal ehrlich: Nach Alien: Covenant und Prometheus war die Franchise in einer Sackgasse. Romulus fühlt sich an wie frische Luft. Oder besser: wie der stickige, ölige Geruch einer Raumstation, auf der alles schiefgehen wird.

Worum geht es in Alien: Romulus?

Sechs junge Kolonisten wollen raus. Weg von einem tristen Bergbauplaneten, der von Weyland-Yutani kontrolliert wird. Ihre Chance: eine verlassene Raumstation, die zwischen den Planeten treibt. Dort hoffen sie, einen funktionierenden Kryoschlaf-Modul zu finden, um in ein besseres System zu reisen.

Rain Carradine (Cailee Spaeny) ist die Hauptfigur. Waisenkind, Minenarbeiterin, keine Lust mehr auf dieses Leben. An ihrer Seite: Andy (David Jonsson), ein Android, den Rains verstorbener Vater als eine Art Ersatzbruder für sie umprogrammiert hat. Dann sind da noch Tyler (Archie Renaux), seine schwangere Schwester Kay (Isabela Merced), Bjorn (Spike Fearn) und Navarro (Aileen Wu). Sechs Kids gegen den Weltraum.

Das Problem: Die Station heißt Romulus. Und Weyland-Yutani hat dort nicht einfach nur geforscht. Sie haben den originalen Xenomorph aus Ripleys Nostromo-Begegnung geborgen und experimentiert. Boah. Wer sich erinnert: Das Big Chap aus dem ersten Film wurde von Ripley ins All geblasen. Stellt sich raus – es hat überlebt. Und Weyland-Yutani hat es eingesammelt.

Ab hier wird es ungemütlich. Schnell.

Wie gut sind Cailee Spaeny und David Jonsson?

Spaeny ist die perfekte Wahl. Punkt. Sie hat schon in Priscilla bewiesen, dass sie leise Verzweiflung spielen kann, und hier gibt sie Rain eine Zähigkeit, die nie aufgesetzt wirkt. Keine billige Ripley-Kopie – Rain ist jünger, weniger erfahren, und ihre Angst ist spürbar. Wenn sie schreit, glaubst du ihr das.

Aber der eigentliche Star? David Jonsson als Andy. Krass, was der Typ abliefert. Andy ist ein defekter Android mit einer kindlichen Loyalität zu Rain. Wenn er später im Film neue Daten von einem anderen Synthetik an Bord absorbiert, verändert sich seine Persönlichkeit. Plötzlich wird die Wärme kalt. Die Fürsorge wird Berechnung. Jonsson spielt diesen Übergang so subtil, dass es einem kalt den Rücken runterläuft.

Die übrige Crew? Solide. Isabela Merced als schwangere Kay bringt emotionales Gewicht. Spike Fearn als Bjorn ist der Typ, der dumme Entscheidungen trifft – jeder Alien-Film braucht so einen. Archie Renaux und Aileen Wu machen ihren Job. Nicht mehr, nicht weniger. Bei sechs Charakteren bleibt für manche halt weniger Raum.

Funktioniert der Horror in Alien: Romulus?

Ja. Und zwar richtig.

Alvarez hat das Team der Spezialeffekte aus Aliens (1986) zurückgeholt. Echte Puppen, echtes Blut (naja, Kunstblut), echte Chest-Burster. Die Facehugger sind hier so widerlich wie nie zuvor. Es gibt eine Szene mit einem ganzen Schwarm dieser Dinger in Schwerelosigkeit, die einfach nur heftig ist. Stell dir vor: Du schwebst durch einen dunklen Korridor und um dich herum treiben dutzende Facehugger wie Quallen. Albtraum-Material.

Der Film wechselt geschickt zwischen langsam aufgebautem Grauen und brutalen Schock-Momenten. Die erste halbe Stunde ist ruhig. Zu ruhig. Du weißt, was kommt. Und trotzdem, wenn es dann losgeht, triffst du es wie ein Schlag.

Die Schwerelosigkeitssequenz im dritten Akt – Rain muss durch einen Korridor voller Säure-Blut schweben, ohne es zu berühren – ist filmisches Gold. Einer der besten Setpieces der gesamten Franchise. Kein Witz.

Aber es gibt ein Problem. Dazu gleich mehr.

Was hat es mit dem CGI-Ian-Holm auf sich?

Okay. Hier wird es kontrovers. Die Raumstation Romulus hat einen Synthetik namens Rook – und der sieht aus wie Ash aus dem ersten Film. Also wie Ian Holm. Der 2020 verstorben ist.

Alvarez hat mit Holms Nachlass zusammengearbeitet und eine digitale Rekonstruktion erstellt. Die Meinungen gehen auseinander. Manche finden es eine würdige Hommage. Andere finden es gruselig – und nicht auf die gute Art. Ich? Naja. Die Technologie ist besser als bei Rogue Ones Peter Cushing, aber man sieht trotzdem, dass etwas nicht stimmt. Der Uncanny Valley ist real.

Hat der Film die Szene gebraucht? Wahrscheinlich nicht. Ein neuer Synthetik mit eigenem Gesicht hätte auch funktioniert. Aber Alvarez wollte die Verbindung zum ersten Film. Fan-Service hat seinen Preis.

Wie steht die Kritik zu Alien: Romulus?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 80% auf Rotten Tomatoes (Kritiker) und 85% beim Publikum. Metacritic gibt 64 von 100. IMDb steht bei 7,1. Damit ist Romulus der bestbewertete Alien-Film seit Camerons Aliens von 1986 – fast vier Jahrzehnte später.

Die positiven Stimmen loben Atmosphäre, praktische Effekte und die Performances von Spaeny und Jonsson. Der IMDb-Eintrag verzeichnet über 250.000 Bewertungen – für einen Horror-Sci-Fi-Film beachtlich.

Die Kritikpunkte? Fan-Service. Zu viele Callbacks. Manche Dialogzeilen wirken wie aus einem Best-of-Album der Franchise zusammenkopiert. „Get away from her, you bitch“ war 1986 legendär. Wenn Romulus ähnliche Momente forciert, schmeckt das nach Aufgewärmtem.

Und dann ist da der dritte Akt. Ohne große Spoiler: Es gibt eine Kreatur am Ende, die über das bisherige Alien-Design hinausgeht. Manche lieben es. Manche hassen es. Ich fand es mutig, aber nicht ganz gelungen. Es fühlt sich an, als hätte Alvarez am Ende den Mut verloren, bei der Einfachheit zu bleiben, die den Rest des Films so stark macht.

Wie erfolgreich war der Film an der Kinokasse?

350 Millionen Dollar weltweit. Bei einem geschätzten Budget von rund 80 Millionen ist das ein fetter Gewinn. 105 Millionen in Nordamerika, 245 Millionen international. Der Film hat Deadpool & Wolverine vom ersten Platz der US-Charts verdrängt – keine kleine Leistung.

Besonders stark: der IMAX-Umsatz. Mit über 40 Millionen Dollar aus IMAX-Sälen ist Romulus der erfolgreichste Horrorfilm aller Zeiten in diesem Format. Kein anderer Horror hat das geschafft.

Für die Franchise bedeutet das: Es wird weitergehen. Disney/20th Century Studios hat Geld gerochen. Eine Fortsetzung ist so sicher wie ein Chest-Burster bei einem Weyland-Yutani-Experiment.

Wo liegen die Schwächen von Alien: Romulus?

Ehrlichkeit gehört dazu. Der Film hat Probleme.

Die Nostalgie-Falle. Alvarez liebt die alten Filme. Das merkt man. Aber manchmal liebt er sie zu sehr. Dialogzeilen werden recycelt, Kamerawinkel zitiert, Plot-Elemente wiederholt. Es gibt einen Punkt, an dem Hommage in Abhängigkeit kippt. Romulus kommt diesem Punkt gefährlich nah.

Charakter-Tiefe. Sechs Protagonisten in unter zwei Stunden. Rain und Andy bekommen genug Raum. Der Rest? Dünn. Bjorn ist der laute Idiot. Tyler der besorgte Bruder. Navarro die Pilotin. Mehr erfährt man kaum. Wenn sie sterben – und ja, Leute sterben – fehlt manchmal die emotionale Wucht, weil man sie nicht gut genug kennt.

Das Finale. Der letzte Akt wirft viel auf einmal an die Wand. Neue Alien-Variante, moralische Dilemmata, Action-Climax – alles gleichzeitig. Nach dem präzise aufgebauten Mittelteil fühlt sich das gehetzt an. Weniger wäre mehr gewesen.

Und ja: der CGI-Holm. Darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben.

Mein Urteil: Lohnt sich Alien: Romulus?

Definitiv. Mit Abstrichen, aber definitiv.

Fede Alvarez hat der Franchise neues Leben eingehaucht, ohne sie neu zu erfinden. Das ist schlau. Manchmal muss man nicht das Rad neu erfinden – man muss nur zurück zu dem, was funktioniert hat. Enge Korridore. Dreckige Aesthetik. Charaktere, die keine Supersoldaten sind, sondern normale Leute, die überleben wollen.

Cailee Spaeny und David Jonsson tragen den Film. Die Horror-Szenen liefern. Die Schwerelosigkeits-Sequenz allein ist den Eintrittspreis wert. Und die praktischen Effekte – boah. So müssen Xenomorphe aussehen. Nicht wie CGI-Matsch, sondern wie nasse, glitschige, organische Maschinen.

Ist es der beste Alien-Film seit Aliens? Ja. Ohne Frage. Besser als Alien 3, Resurrection, Prometheus und Covenant. Aber an das Original und Camerons Sequel kommt er nicht ran. Darf er auch nicht. Das sind zwei der besten Sci-Fi-Horrorfilme aller Zeiten.

Wer die besten Horrorfilme aller Zeiten kennt, weiß: Es gibt Klassiker, und es gibt Filme, die gut genug sind, um in deren Nähe zu stehen. Romulus gehört in die zweite Kategorie. Und das ist ein Kompliment.

Wer auf harten Splatter steht, bekommt hier weniger davon als erwartet – Alvarez setzt stärker auf Atmosphäre. Aber die Chest-Burster-Szenen sind nichts für schwache Nerven. Und die Found-Footage-Fans unter euch werden zumindest die handgehaltene Kamera in einigen Szenen zu schätzen wissen.

Für Leute, die nach Horror-Geheimtipps suchen: Alien: Romulus ist kein Geheimtipp. Es ist ein 350-Millionen-Dollar-Hit. Aber es ist ein richtig guter.

Bewertung: 7,5 / 10


Häufig gestellte Fragen zu Alien: Romulus (2024)

Wann spielt Alien: Romulus in der Franchise-Timeline?

Der Film ist im Jahr 2142 angesiedelt – also etwa 20 Jahre nach den Ereignissen von Alien (1979/2122) und 37 Jahre vor Aliens (1986/2179). Er füllt damit eine Lücke, die in der Franchise bisher leer war.

Muss man die anderen Alien-Filme gesehen haben?

Nicht zwingend. Romulus funktioniert als eigenständiger Film. Aber wer zumindest den ersten Alien kennt, versteht die Callbacks und die Bedeutung des Big Chap besser. Die Ridley-Scott-Prequels (Prometheus, Covenant) sind kein Muss.

Wie brutal ist Alien: Romulus?

Hart genug für ein R-Rating in den USA. Chest-Burster-Szenen, Facehugger-Angriffe, Säure-Blut und körperlicher Horror. Kein reiner Splatter-Film, aber definitiv nichts für empfindliche Gemüter. In Deutschland ab 16 freigegeben.

Wer führt Regie bei Alien: Romulus?

Fede Alvarez, der uruguayische Regisseur hinter dem Evil Dead-Remake (2013) und Don’t Breathe (2016). Ridley Scott war als Produzent beteiligt, hat aber die kreative Kontrolle an Alvarez abgegeben.

Wie lang ist Alien: Romulus?

Der Film läuft 119 Minuten. Kompakt für einen modernen Blockbuster, und das Pacing profitiert davon – zumindest in den ersten zwei Akten.

Was hat es mit dem digitalen Ian Holm auf sich?

Der 2020 verstorbene Schauspieler Ian Holm, der im Original-Alien den Android Ash spielte, wurde digital rekonstruiert. Sein Nachlass hat zugestimmt. Die Figur heißt Rook und ist ein baugleiches Synthetik-Modell. Die Qualität der Umsetzung ist umstritten.

Gibt es eine Verbindung zu Prometheus und Alien: Covenant?

Ja. Ohne zu viel zu verraten: Die Forschung auf der Romulus-Station baut auf Entdeckungen auf, die in Ridley Scotts Prequels gemacht wurden. Insbesondere die sogenannte „Black Goo“-Substanz spielt eine Rolle im dritten Akt.

Wird es eine Fortsetzung geben?

Sehr wahrscheinlich. Bei 350 Millionen Dollar Einspielergebnis und positiver Kritik hat Disney/20th Century Studios allen Grund, weiterzumachen. Offizielle Bestätigung steht noch aus, aber Fede Alvarez hat Interesse an einer Fortsetzung signalisiert.

Wo kann man Alien: Romulus streamen?

Der Film ist seit Oktober 2024 auf Hulu (USA) und Disney+ (international) verfügbar. Außerdem als digitaler Kauf bei den üblichen Anbietern erhältlich.

Wie hoch war das Einspielergebnis von Alien: Romulus?

Rund 350 Millionen Dollar weltweit. Davon 105 Millionen in Nordamerika und 245 Millionen im Rest der Welt. Mit über 40 Millionen Dollar IMAX-Umsatz ist es der erfolgreichste Horrorfilm aller Zeiten in diesem Format.

Stand: Februar 2026

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